Interview

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[Rogaska Donat] Warum ist es gerade jetzt, wo wir alle möglichst viel zu Hause bleiben sollen, wichtig auf das Immunsystem zu achten?

[Mag. Katharina Bruner] Die Coronakrise ist in ihrer Dimension und in ihrem Ausmaß sicherlich erschreckend einzigartig. Und in dieser „besonderen Zeit“ wird uns auch deutlich bewusst, wie wichtig es ist, sich nicht nur auf ein gutes Gesundheitssystem verlassen zu können, sondern auch, dass wir eine große Verantwortung unserer eigenen Gesundheit gegenüber haben.

Gerade durch unseren persönlichen Lebensstil können wir selbst einen großen Beitrag dafür leisten.
Wer sich gegen Viren und Co rüsten will, kann nämlich einiges tun. Nicht nur das viel zitierte Händewaschen oder Kontaktvermeiden spielt dabei eine wichtige Rolle, sondern vor allem auch die Ernährung, die unsere Immunabwehr stärken kann.

Was gerade auch noch hinzukommt, ist, dass für viele die derzeitige Situation sehr belastend ist – man muss Homeoffice, Kinderbetreuung und Haushalt unter einen Hut bringen und vielmals spielen auch Existenz- und Zukunftsängste oder Sorgen um die Eltern und Großeltern eine Rolle. Aber auch die Einsamkeit und anderer emotionaler Stress belasten viele. All diese Punkte können sich auch negativ auf unser Immunsystem auswirken.
Zu wissen, dass man es aber bis zu einem gewissen Teil auch selbst in der Hand hat seinen Körper bestmöglich zu unterstützt kann auch beruhigend wirken und Ängste verkleinern.

[Rogaska Donat] Was hat das Verdauungssystem mit unserem Immunsystem zu tun? Wie stehen die beiden Systeme miteinander in Verbindung?

[Mag. Katharina Bruner] Schon in der Antike hat der griechische Arzt Hippokrates gesagt, dass ein gesunder Darm die Wurzel aller Gesundheit sei. Der Darm sorgt nämlich nicht nur dafür, dass die Nahrung verdaut wird und alle lebensnotwendigen Nährstoffe, die eben u.a. auch für das Funktionieren unserer Immunzellen wesentlich sind, aufgenommen werden, sondern die Darmgesundheit steht auch mit vielen anderen Prozessen in Zusammenhang. Würde man einen menschlichen Darm ganz auffalten, würde das in etwa die Größe eines Tennisplatzes ergeben. Der Darm hat damit eigentlich den größten Kontakt zur Außenwelt. Alles was wir zu uns nehmen, ob flüssig oder fest, ob gesundheitsfördernd oder gar giftig gelangt über Mund, Speiseröhre und Magen schlussendlich in den Darm.

Mittlerweile weiß man, dass auch 70-80% aller menschlichen Abwehrzellen im Darm lokalisiert sind. Man spricht deshalb auch vom darmassoziierten Immunsystem. Dort werden zum Beispiel Fremdstoffe, Bakterien oder allergieauslösende Nahrungsbestandteile abgewehrt. Wesentlich dafür sind 3 Faktoren – eine gesunde Darmschleimhaut, funktionierende Immunzellen und ein intaktes Mikrobiom, also eine günstige Darmbesiedelung durch Bakterien.

Der menschliche Darm, unser Verdauungssystem und unser Immunsystem stehen somit ganz eng miteinander in Verbindung – sowohl lokal, als auch über die Funktion der Nährstoffresorption.

[Rogaska Donat] Glauben Sie, dass gerade jetzt, wenn die Menschen mehr zu Hause sind, das Problem mit Verstopfung häufiger ist? Warum könnte das so sein?

[Mag. Katharina Bruner] Ich glaube dass gerade jetzt Verdauungsprobleme und allen voran Verstopfung oder harter, unregelmäßiger Stuhlgang ein häufiges Problem sein können, das viele auch belastet. Und zwar sind meiner Meinung nach 3 Gründe dafür mitverantwortlich. Zum einen ist es der Bewegungsmangel der letzten Wochen. Mehr zu Hause zu sein bedeutet für viele – v.a. im städtischen Umfeld – auch weniger Bewegungsmöglichkeit. 2. Grund kann eine ungünstige Lebensmittelauswahl sein, die das Problem verstärkt. Sei es aus Langeweile, aus Stress oder auf Grund fehlender Motiation – manche von uns greifen zu häufig zu fetten, zu süßen oder zu stark gesalzenen Produkten. Zu wenig zu trinken wirkt sich dann auch noch ungünstig aus. Und als 3. Grund für Verstopfung und harten Stuhl ist natürlich auch die emotional sehr belastende Situation insgesamt zu nennen. Alle 3 Faktoren – also Bewegungsmangel, ungünstige Lebensmittelauswahl und emotionaler Stress – wirken sich negativ auf unsere Darmgesundheit und auf unsere Verdauung aus und können somit auch Verstopfungsprobleme verstärken.

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[Rogaska Donat] Eine gesunde Ernährungsweise kann sowohl das Immunsystem unterstützen als auch ein gesundes Verdauungssystem fördern. Was sind Ihre Ernährungsempfehlungen dafür?

[Mag. Katharina Bruner] Eigentlich ist es gar nicht so schwer. Ist der Körper mit allen essentiellen Nährstoffen versorgt, kann das Immunsystem gestärkt und somit die Abwehr von Krankheitserregern unterstützt werden. Leider ist das aber – auch laut den Daten des österreichischen Ernährungsbericht – nicht selbstverständlich.

Die Basis für eine gesunde Ernährung – sowohl für ein gutes Immunsystem, als auch für eine gesundes Verdauungssystem – sind pflanzliche Lebensmittel mit vorwiegend saisonalem, frischem Gemüse und Obst. Sie sind die Quelle für viele Vitamine und Mineralstoffe, aber auch sekundäre Pflanzenstoffe und gerade jetzt im Frühling können wir ja gottseidank auch wieder auf viele frische und heimische Produkte, wie Spargel, Radieschen oder Erdbeeren, zurückgreifen. Auch Hülsenfrüchte, Nüsse und stärkehaltige Lebensmittel wie Erdäpfel und Getreideprodukte gehören dazu. Ergänzt wird diese Basis an pflanzlichen Lebensmittel – wenn man mag – durch tierische Produkte wie Joghurt, Käse und Eier sowie Fleisch und Fisch.

Die Ballaststoffe in den pflanzlichen Lebensmittel sind wiederum gut für unseren Darm, für die Darmbakterien und auch um Verstopfungen vorzubeugen.
Sollte man ganz auf tierische Produkte verzichten, muss man mit Sicherheit noch genauer auf eine gute Lebensmittelauswahl achten und auf alle Fälle Vitamin B12 supplementieren. Denn das kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor.

Neben dem Essen ist es aber auch wichtig ausreichend zu trinken – bevorzugt Wasser, Mineralwässer und ungesüßte Tees. Süßigkeiten, salzige Snacks oder ab und zu eine Limonade oder ein alkoholisches Getränk können natürlich das I-Tüpfelchen im Speiseplan sein.

[Rogaska Donat] Glauben Sie, dass nach der Coronavirus-Pandemie Stoffwechselkrankheiten vermehrt auftreten werden? Auf Grund der schlechten Gewohnheiten während des social Distancings?

[Mag. Katharina Bruner] Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten bzw. glaub ich, dass es personenspezifisch große Unterschiede geben wird.
Was wir z.B. schon vor der Coronakrise gesehen haben ist, dass die Zahlen an übergewichtigen und adipösen Menschen nicht weniger werden – v.a. auch im Kinder- und Jugendbereich. Durch das wochen- und monatelange Zuhause bleiben besteht natürlich auch die Gefahr, dass sich diese Zahlen weiter verschlechtern – v.a. in den Gruppen, die sowieso schon besonders gefährdet sind. Kinder aus dem städtischen Bereich ohne Garten sind zB bei der Bewegung besonders benachteiligt. Früher, also vor Corona, hatten die Kinder neben den regelmäßigen Schulstunden doch auch die Möglichkeit zu Sport in Vereinen – sei es Fußball, Karate oder Tennis. Das fällt jetzt natürlich für Wochen und Monate alles weg.
Im Bereich der Ernährung wird es vermutlich auch Personen geben, die ihre Ernährungsweise nicht verbessern sondern ev. sogar verschlechtern.

Was man auch beobachten konnte ist, dass sich in der ersten Phase des Runterfahrens die Menschen nicht getraut haben zum Arzt zu gehen und somit etwaige Krankheitsanzeichen – wie z.B. für einen Herinfarkt – ignoriert wurden. Auch die Vorsorgeuntersuchungen sind ja in den letzten Wochen ausgesetzt worden und beginnen erst schön langsam wieder hoch zu fahren…

Meiner Meinung nach kann die Krise jedoch auch als Chance gesehen werden, die eigene Gesundheit und dein Einfluss des Lebensstils wieder wichtiger zu nehmen. Wir haben jetzt ja auch mehr Zeit uns mit bestimmten Themen, wie z.B. gesunde Ernährung auseinander zu setzen.

[Rogaska Donat] Sie sind selbst Mutter eines Sohnes im Volksschulalter. Wie ermutigen Sie ihn gerade jetzt gesund zu essen und Bewegung zu machen wenn Ihr Tagesablauf und die übliche Routine komplett anders ist als davor?

[Mag. Katharina Bruner] Alles unter einen Hut zu bringen ist auch bei uns zu Hause nicht immer so einfach. Ein strukturierter Tagesplan – ähnlich wie in der Schule – helfen uns aber sehr gut dabei. Der Vormittag ist also z.B. wirklich zu 100% der Arbeit und der Schule gewidmet. Während ich am Laptop sitze, macht mein Sohn neben mir seine Schulaufgaben. Schon wie in der Vor-Corona-Zeit starten wir den Tag jedoch mit einem guten Frühstück – meist einem Porridge oder Cerealien – und Nikolas bekommt ähnlich wie in der Schule auch eine Jausenpause, meist ein Stück Obst und ein paar Nüsse, zwischen seinen Schulaufgaben.
Ähnlich wie in der Schule „verpacke“ ich ach die Bewegung manchmal als Turnstunde – v.a. wenn wir hinaus gehen und z.B. eine Runde Radfahren. Oder wir machen am Nachmittag Spiele im Garten. Ich muss aber dazu sagen, dass er das auch aus der Vor-Corona-Zeit so kennt und das für uns nichts neues ist.
Neben der „richtigen“ Auswahl von Lebensmittel ist aber mit Sicherheit das Vorleben, gemeinsames Familienessen und die Vermittlung von Genuss und Freude am Essen ganz wichtige Komponenten in der Ernährungsbildung.
Ich glaube außerdem, dass Kinder eingentlich recht einfach zu motivieren sind, besonders im Volksschulalter, wie das bei uns der Fall ist. Wichtig dabei ist das ganze mit einer gewissen Portion Spaß anzugehen, den Kindern die Möglichkeit zur Selbstbestimmung zu geben, sie außerdem in ihren Wünschen und Vorlieben ernst zu nehmen und nicht zu viele strenge Regeln aufzustellen. Kinder sind oft auch schon sehr interessiert an ein bisschen Hintergrundwissen (z.B. was passiert mit unserem Essen im Körper). Bei den Mahlzeiten selbst kann Nikolas teilweise auch mitentscheiden was es zum Essen gibt, er darf in den meisten Fällen wenn er möchte beim Kochen mithelfen und wenn er etwas gar nicht mag ist das auch kein Problem – dann gibt es für ihn einfach eine andere Alternative. Statt Spargel z.B. Tomaten etc. Obst und Gemüse zählen seit jeher zu unserem täglichen Speiseplan, das hat sich auch jetzt nicht verändert.
Auch Süßigkeiten oder einmal ein Eis dürfen aber selbstverständlich genossen werden. Einzige Regel bei uns ist, dass er fragen soll. Genuss ist nämlich genauso wichtig!
Auch mein fast 11jähriger Neffe und meine 9jährige Nichte, die im selben Haus wohnen, sind eigentlich ähnlich einfach zu motivieren.
Meine persönliche Empfehlung ist also eine Mischung aus Spaß, das Interesse wecken, Kinder ernst nehmen und die Selbstkompetenzen fördern.

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